Die relativ überzeugendsten empirischen Hinweise darauf, dass wir Menschen in unserer Individualität den Tod überdauern und in einem neuen Körper wiedergeboren werden könnten, stammen von spontanen
„Erinnerungen“ kleiner Kinder an ihre angeblichen „früheren Leben”.
Was ist mit Spontanerinnerungen kleiner Kinder gemeint?
Kleine Kinder erzählen ihren Eltern unaufgefordert (spontan) über ihr “früheres Leben” (FL).
Nicht selten schon ab 1 oder 1 1/2 Jahren, wenn sie zu sprechen anfangen.
Wenn die Kinder sich später genauer ausdrücken können, sind ihre Angaben oft so genau, dass Nachprüfungen möglich sind.
Meist prüfen die Eltern und finden eine frühere Familie (FF), in der eine Person gestorben ist, die den Angaben des Kindes entspricht.
Prof. Dr. Ian Stevenson und 4 weitere Professorenkollegen sind in ca. 45 Jahren Forschung der Frage nachgegangen, ob man die Berichte darüber ernst nehmen darf. Ergebnis: In der Regel darf man sie ernst nehmen. Mehr zur Glaubwürdigkeit hier.
Die Todesart der früheren Person (FP) hat das Kind praktisch immer zutreffend geschildert.
Auch mannigfaltige Verhaltensweisen und Charaktermerkmale des Kindes stimmen mit denen der FP überein.
Geburtsmale des Kindes entsprechen oft Todeswunden der FP.
Beim ersten Besuch erkennen die Kinder ihnen unbekannte Personen als “frühere Verwandte” oder “Freunde” und sprechen sie spontan mit Namen oder Spitznamen an oder wissen von unbedeutenden Familienangelegenheiten.
Kinder kennen sich in ihrem “früheren Zuhause” aus und sprechen Änderungen vom „Damals“ zum „Heute“ an.
Stevenson und andere Forscherkollegen haben weltweit ca. 3000 Fälle dokumentiert und viele davon nachgeprüft. 2/3 stammen aus Südostasien, 1/3 aus dem Rest der Welt. Dies entspricht grob auch dem Bevölkerungsverhältnis.
Es folgen auf dieser Seite einige Beispielfälle, die das Wesentliche aus den Originalschriften wiedergeben. Für eine Diskussion der Glaubwürdigkeit in jedem Einzelbeispiel muss ich auf die angegebenen Quellen verweisen. Allgemeines zur Glaubwürdigkeit hier. 11 weitere Fälle sind in meinem Buch ausführlich beschrieben.
1. Verwöhnter Bishen Chand Kapoor wird in einer armen Familie wiedergeboren.
Bishen Chand Kapoor wurde am 7.2.1921 in Bareilly, Nord-Indien, als Sohn des armen Bahnarbeiters B. Ram Ghulam Kapoor und seiner Frau Kunti Devi geboren. Als er nur 10 Monate alt war, äußerte er etwas, das wie pilvit oder pilivit klang. Eine Stadt, 50 km von Bareilly entfernt, heißt Pilibhit. Als der Junge zusammenhängend sprechen konnte, offenbarte er in den darauf folgenden Jahren viele Details aus einem früheren Leben in dieser Stadt.
Bishen Chand sagte, sein Name sei Laxmi Narain und sein Vater sei ein reicher Landbesitzer gewesen. Er sprach auch von einem Onkel Har Narain. Später stellte sich heraus, dass dies der Name des Vaters von Laxmi und die Bezeichnung „Onkel“ vermutlich eine Art Spitzname in Anlehnung an einen bekannten Namensvetter aus der gleichen Stadt war.
Bishen Chands Eltern hatten niemals von derartigen Leuten gehört. Sie versuchten, die Äußerungen ihres Sohns zu unterdrücken, weil solche nach einem gängigen Aberglauben zu frühem Tod führen sollen. Der Junge ließ sich aber nicht zum Schweigen bringen, sondern erzählte weiter von seinem angeblich früheren Leben. Insbesondere beklagte er sich bei seinem Vater über die Armut der Familie, verlangte nach Geld und schrie, wenn er keines bekam. Er sagte: „SogarmeinDiener würde das hier zubereitete Essen ablehnen.” Er beschimpfte seinen Vater, weil dieser kein Haus gebaut habe. Er riss sich seine Baumwollkleider vom Leib und verlangte nach Kleidern aus Seide. Obwohl seine Familie streng vegetarisch lebte, verlangte er nach Fleisch und Fisch. Brandy, der zu medizinischen Zwecken im Haus vorrätig war, trank er heimlich und sagte, als er darüber zur Rede gestellt wurde: „Ich bin es gewöhnt, Alkohol zu trinken.“
Als Bishen Chand 4 Jahre alt war, nahm ihn sein Vater auf eine Hochzeitsfeier in eine Stadt mit, die jenseits Pilibhit liegt. Auf der Rückreise hörte der Junge die Stationsansage von Pilibhit und bestand sogleich darauf auszusteigen, weil er hier gewohnt habe. Als ihm dies versagt wurde, schrie er auf dem ganzen Rest des Rückwegs.
Der Rechtsanwalt Sahay erfuhr von diesen Dingen, besuchte die Familie, schrieb die Äußerungen des Kindes auf und überredete den Vater, mit Bishen Chand nach Pilibhit zu fahren, um die Behauptungen zu prüfen und zu sehen, ob Bishen Chand Orte und Personen wiedererkennen würde. Rechtsanwalt Sahay veröffentlichte 1927 einen Bericht darüber, und Stevenson stellte ab 1964 weitere Nachprüfungen an.
Dieser Fall aus der Sammlung von Prof. Ian Stevenson ist dadurch ausgezeichnet, dass 21 Aussagen vor der Nachprüfung durch den Rechtsanwalt aufgeschrieben worden sind. 14 davon wurden bestätigt. Insgesamt zählt Stevenson 48 Aussagen, von denen 9 nicht verifizierbar und nur 2 gänzlich falsch waren. Allerdings liegt der Fall zeitlich weit zurück, und die alten Berichte entsprechen nicht voll den heutigen Standards.
Noch vor der Reise nach Pilibhit sagte Bishen Chand u.a., er sei als Laxmi Narain unverheiratet gestorben. Er habe Urdu, Hindi und Englisch gesprochen. Sein damaliger Nachbar sei Sunder Lal gewesen, der einen Hof mit grünem Tor gehabt habe. In diesem Hof haben angeblich Tanzvorführungen von hübschen Mädchen stattgefunden.
Sein Elternhaus, behauptete er, sei ein 2-stöckiges Gebäude gewesen, das u. a. getrennte Teile für Männer und Frauen hatte. Bei dieser Beschreibung benutzte er Urdu-Worte, die für die höhere Kaste seiner angeblich früheren Familie typisch sind, nicht aber zum Vokabular eines 5-jährigen seiner jetzigen Kaste passten.
Bishen Chand sagte auch, er sei in die staatliche Schule „neben dem Fluss“ gegangen und habe mit der 6. Klasse seine Ausbildung abgeschlossen. Dies bedeutet, dass er vermutlich ein fauler Schüler war.
Auch machte er die alarmierende Feststellung, dass er eine Dirne als Freundin hatte. Als er eines Tages im früheren Leben einen anderen Mann von dem Etablissement seiner Freundin habe kommen sehen, habe er das Gewehr seines Dieners genommen und den Mann erschossen. Er erzählte stolz, dass er aufgrund der Beziehungen seines Vaters dafür nicht gerichtlich zur Rechenschaft gezogen worden sei.
Bishen Chands Vater berichtete, dass sein Sohn ihm einmal den Ratschlag gab: „Papa, warum hältst du dir keine Freundin? Du würdest großen Spaßmitihr haben.” Auf die Nachfrage des erschütterten Vaters, was er mit Spaß meine, sagte er: „Dich wird der Duft ihres Haares erfreuen und überhaupt, mit ihrzusammen zu sein.”
Als nun der Junge das erste Mal nach Pilibhit gebracht wurde, ging die Gruppe der privaten Untersucher zuerst zur staatlichen Schule. Bishen Chand erkannte das Gebäude aber nicht. Es stellte sich bald heraus, dass das Gebäude neueren Datums war. Daraufhin ließ sich die Gruppe zum alten Schulgebäude führen, das Bishen Chand sofort erkannte. Es lag, wie angesagt, am Fluss. Der Junge zeigte nach Aufforderung seinen ehemaligen Klassenraum der 6. Klasse, was von 2 ehemaligen Mitschülern als richtig bestätigt wurde. Einen ehemaligen Mitschüler erkannte er auf einer alten Fotografie. Seinen damaligen Lehrer beschrieb er zutreffend als „dick, mit Bart“.
Auf dem weiteren Rundgang durch die Stadt kam die Gruppe an einem Haus vorbei, das Bishen Chand als das seines ehemaligen Nachbarn Sunder Lal erkannte. Es hatte einen Hof und ein Tor in der angegebenen grünen Farbe, die aber heute verblasst war. Dort fanden die besagten Tanzvorführungen statt, was durch einen Ladenbesitzer aus der Nachbarschaft bestätigt wurde.
Später erkannte Bishen Chand auch sein ehemaliges Elternhaus und bezeichnete es als das von Har Narain, wobei sich herausstellte, dass Har Narain sein Vater, nicht sein Onkel war. Der Ortsteil, in dem das Haus lag, war allerdings ein anderer, als Bishen Chand vorher angegeben hatte. Das Haus war aber 2-stöckig, wie angegeben, und der Junge zeigte die Aufteilung der Räume in solche für Männer und Frauen. Das Haus war von seinen früheren Bewohnern bereits aufgegeben, daher stark heruntergekommen und z.T. zerstört. Über diese Tatsache beschwerte sich der Junge bitterlich. Den Ort des Treppenhauses konnte er in den Ruinen richtig angeben. Weiter ->
Eine alte, vergilbte Fotografie wurde gezeigt und Bishen Chand deutete darauf und sagte dazu: „Hier ist Har Narain, und dies bin ich.”
Ein Paar von Tablas (Trommeln) wurden dem Jungen gegeben. Er konnte auf Anhieb perfekt darauf spielen, ohne jemals Tablas gesehen zu haben. Stevenson hat sich davon überzeugt, dass das Trommeln auf Tablas keineswegs eine primitive Fertigkeit ist, die jedermann ohne Übung zuwege bringt.
Inzwischen hatte sich eine Menschenmenge versammelt, die die Wiedererkennungen verfolgte. Von ihr wurde nun Bishen Chand gedrängt, den Namen seiner ehemaligen Dirne zu nennen. Der Junge wurde verlegen und wollte nicht antworten. Da der Druck seitens der Menge nicht nachließ, sagte er endlich „Padma“, was korrekt war.
Die weiteren Erkundungen ergaben, dass Laxmi Narain der verwöhnte, einzige Sohn seines reichen Vaters war. Nach dem Tod des Vaters verprasste er das Erbe durch seinen ausschweifenden Lebenswandel, der gelegentlich von längeren Phasen einer Zurückgezogenheit in religiösen Zeremonien unterbrochen wurde. In betrunkenem Zustand erschoss er einen von Padmas Kunden. Ein Rechtsanwalt bestätigte, dass deshalb ein Strafprozess stattgefunden hat. Laxmi starb mit ca. 32 Jahren eines natürlichen Todes, an Lungenentzündung.
Laxmi war andererseits aber auch bekannt dafür, großzügig zu sein und den Bettlern von seinem Essen zu geben. Einmal unterstützte er einen moslemischen Uhrenhändler mit einer größeren Summe Geldes, so dass dieser damit sein Geschäft aufbauen konnte. In diesem Zusammenhang ist es erwähnenswert, dass Bishen Chand, als er einmal von der Absicht seines heutigen Vaters, eine Uhr kaufen zu wollen hörte, gesagt hatte: „Vater, kauf sie nicht. Wenn ichnachPilibhit gehe, bekomme ich drei Uhren von einem moslemischenHändler, denich dort etabliert habe.” Beim Rundgang durch das Geschäftsviertel von Pilibhit ließ Bishen Chand die Tonga vor einem Geschäft anhalten, musterte es genau und sagte: „Das ist das Geschäft meines FreundsIsmail, wo ich meine Uhrreparieren ließ.” Kein Schild zeigte den Namen Ismail. Tatsächlich aber war ein Ismail der Ladeninhaber gewesen und bereits gestorben. Das Geschäft war seit Jahren in anderen Händen.
Beim Besuch in Pilibhit sah Bishen Chand auch seine damals noch lebende Mutter aus dem früheren Leben. Diese stellte ihm eine Menge Testfragen, nach deren Beantwortung sie davon überzeugt war, ihren früheren Sohn vor sich zu haben. Eine ihrer Fragen war: „Hast Du meine Pickles weggeschüttet?“. Die Frage war natürlich nicht professionell gestellt, aber die Antwort war dennoch aufschlussreich. Sie lautete: „Ja, ich habe sie weggeworfen. Aber wie kann mandenn Würmeressen? Du wolltest, dass ich Würmer esse; und daher habe ichdie Picklesweggeworfen.“ Die Mutter erklärte daraufhin, dass einmal ihre Pickles schlecht geworden waren und Würmer enthielten. Sie hatte die Würmer entfernt und die Pickles an die Sonne gestellt. Laxmi aber hatte sie zu ihrem großen Ärger weggeworfen. Solche unbedeutenden Ereignisse sind von besonderem Interesse, weil sie kaum auf normalem Weg übermittelt worden sein können.
Eine andere Frage lautete „Wer war Dein Diener?“ Antwort: „Mein Diener warMaikua, ein schwarzer, kleiner Kahar (niedere Kaste der Hausdiener). Er warmein Lieblingskoch.“ Auch das stimmte.
Eine weitere Frage führte zu einer interessanten Entdeckung. Die Mutter fragte nach dem Versteck des Familienschatzes. Dass ein solcher nach dem Tod von Laxmi existiert, war nur vermutet worden. Bishen Chand führte die Anwesenden daraufhin zu einem Zimmer in seinem früheren Elternhaus. Eine gründliche Durchsuchung dieses Zimmers förderte dann einen Schatz aus Goldmünzen zutage.
Bishen Chand fühlte sich seiner früheren Mutter sogar mehr zugetan, als seiner leiblichen, so dass er vorschlug, sie bei sich wohnen zu lassen. Er sprach seine frühere Mutter, anders als seine leibliche, auf die gleiche Weise an, auf die früher Laxmi es getan hatte.
Auch zu Padma hatte er ein sehr emotionales Verhältnis. Als er 23 Jahre alt war, besuchte ihn Padma überraschend an seiner Arbeitsstelle. Er erkannte und umarmte sie und wurde dabei so emotional bewegt, dass er in Ohnmacht fiel. Am Abend desselben Tags „bewaffnete“ er sich mit einer Flasche Wein, um Padma zu besuchen und die alte Beziehung zu erneuern. Padma vereitelte dies Vorhaben aber dann. Bemerkenswert ist, dass Bishen Chand, abgesehen von seinem heimlichen Trinken medizinischen Alkohols als kleiner Junge, den Regeln seiner Kaste gemäß keinen Alkohol zu sich nahm. Die Begierde nach Padma ließ ihn offensichtlich seine Regeln vergessen.
Bishen Chand hatte schon als kleines Kind behauptet, einen Rechtsstreit über Vermögensangelegenheiten mit seinen ehemaligen Verwandten ausgefochten und gewonnen zu haben. Sein Verhalten den Verwandten gegenüber spiegelte dies auch wider. Als ihm von Mitgliedern dieser Verwandtschaft anlässlich eines Besuches Süßigkeiten angeboten wurden, lehnte er diese ab. Als ihm daraufhin Geld angeboten wurde, verweigerte er die Annahme mit der Bemerkung: „Ihr wolltetmir mein Blut wegnehmen, und jetzt lockt ihr mich mit Geld.“
Sogar Laxmis Probleme mit geschwollenen Augenlidern scheinen sich auf Bishen Chand übertragen zu haben. Eines Nachts träumte Laxmis Mutter, dass Bishen Chand eine Augenkrankheit habe. Ohne weitere Nachprüfung besorgte sie das Heilmittel, das Laxmi einst geholfen hatte und schickte es Bishen Chands Eltern. Bishen Chand hatte tatsächlich Augenprobleme, und seine Eltern wendeten das Mittel auch an und hatten über mehrere Jahre Erfolg damit, bis die Krankheit in der Pubertät verging.
Bishen Chand schrieb in späteren Jahren die relative Armut seines heutigen Lebens dem Verhalten in seinem früheren Leben zu und hat sein heutiges Verhalten entsprechend angepasst.
Das Einzige, an das sich Bishen Chand auch in späteren Jahren noch klar erinnerte, war der Mord, den er vermutlich in einem früheren Leben begangen hatte.
Quelle (mit Link zu Literaturseiten):Stevenson, Ian (1975) Cases of the Reincarnation Type, Vol. 1, Ten Cases in India, University Press of Virginia, Charlottesville, S. 176, ISBN: 0-8139-0602-4
2. Schwarzbrenner von Schnaps kommt 6 Monate nach seinem Tod wieder
Prof. Stevenson bewertet den Fall von Sujith Lakmal Jayaratne als besonders überzeugend, weil dieser kleine Junge aus Sri Lanka fast alle Äußerungen über sein früheres Leben gemacht hat, bevor der Versuch einer Nachprüfung gemacht wurde und 16 davon sogar zuvor aufgeschrieben worden waren. Stevenson konnte schon ein Jahr nach Beginn des Falles selbst vor Ort recherchieren. Im Verlauf von 3 Jahren interviewte er 37 Personen. Stevensons Bericht umfasst 41 Seiten, listet 59 Aussagen und Wiedererkennungen und 11 Verhaltensweisen des Jungen auf, die in guter Übereinstimmung mit dem sind, was man von der früheren Person in Erfahrung bringen konnte. Hier kann nur eine sehr gekürzte Version wiedergegeben werden. Insbesondere alle Umstände und Nebenbedingungen für die vielen Elemente des Falls können nur im Original nachgelesen werden.
Sujith wurde am 7.8.1969 nahe Colombo auf Sri Lanka geboren. Er lebte mit seiner Mutter, namens Nandine Sunethari, seiner Großmutter, einer Tante und einem Onkel in Mt. Lavinia, einem Vorort von Colombo. Seinen (heutigen) Vater lernte Sujith nie kennen, weil sich die Eltern kurz nach seiner Geburt trennten.
Als Sujith 8 Monate alt war, bemerkte seine Mutter zufällig, dass sich ihr Söhnchen vor Lastwagen fürchtete und sogar alleine schon durch das Wort „Lastwagen“ (lorry) dazu gebracht werden konnte, seine Milch zu trinken, wenn er sich weigerte, sie anzunehmen. Als er älter war und laufen konnte, verschwand Sujith im Haus, wenn er einen Polizisten sah, und fragte nach, ob er wieder weggegangen sei. Die Mutter brachte dieses seltsame Verhalten nicht mit einem früheren Leben in Verbindung. Aber ab dem Alter zwischen 1 ½ und 2 Jahren begann Sujith von sich aus über ein früheres Leben zu sprechen.
Er gab zu verstehen, dass er in Gorakana - 12 km entfernt - gelebt hatte und als „Gorakana Sammy“ bekannt war. Anfangs wollte er auch Sammy genannt werden. Sein Vater im früheren Leben habe Jamis geheißen und nur ein Auge gehabt. Er selbst habe bei der Eisenbahn gearbeitet und Arrak (alkoholisches Getränk) verkauft. Mit seiner Frau Maggie habe er sich öfter gestritten. Nach einem solchen Streit sei er zu einer Boutique gegangen, um Zigaretten zu kaufen. Er habe einen Schritt auf die Straße gemacht, und sei dabei von einem Lastwagen angefahren worden und kurz darauf an seinen Verletzungen gestorben.
Sujith wollte unbedingt nach Gorakana gehen. Er verlangte nach Arrak und Zigaretten und zeigte eine ausgeprägte Furcht vor Lastwagen, nicht jedoch vor anderen Autos. Außerdem spielte Sujith oft und sehr gekonnt einen Betrunkenen.
Ein Verwandter der Familie war ein buddhistischer Mönch, der das Geschehen mitbekam und darüber in seinem Kloster berichtete. Ein junger Mitbruder interessierte sich näher dafür und wollte den Fall aufklären. Deshalb schrieb er 16 Aussagen von Sujith auf. Zusätzlich zu den oben bereits genannten Dingen gab Sujith laut dieser Aufzeichnung sogar den Ortsteil von Gorakana an, in dem er gelebt haben will. Angeblich habe er eine halb verfallene Schule besucht. Sein Lehrer, sagte er, habe “Francis” geheißen, und er, Sammy, habe “Kusuma” Geld gegeben. Kusuma, erklärte er, sei die Tochter seiner jüngeren Schwester aus dem früheren Leben. Sie lebe in Gorakana und bereitete Seilhüpfer für ihn zu.
Sujith bat im heutigen Leben seine Großmutter um Geld, das er im Kale Pansala Tempel spenden wollte. Dort, sagte er, gab es früher nur 2 Mönche. Einer davon hieß Amitha.
Außerdem hatte Sujith noch Folgendes ausgesagt:
Er habe eine Tochter mit Namen Nandanie gehabt.
Er habe “4-Ass-Zigaretten” geraucht.
Einmal sei das Boot, auf dem er seinen Arrak zum Verkauf transportierte, gekentert, und er habe die ganze Ladung verloren. Dennoch habe er es nicht aufgegeben, Arrak herzustellen und zu verkaufen.
Einer von Sammys jüngeren Brüdern (in der Aufzeichnung nur „jemand“) sei hingefallen und dadurch lahm geworden.
Weder ein Familienmitglied noch einer der beiden Mönche kannte eine verstorbene Person aus Gorakana, auf welche all diese Angaben zutreffen. Der junge Mönch fuhr nun nach Gorakana, und nach Anfangsschwierigkeiten gelang es ihm, einen Verstorbenen auszumachen, auf den alle Angaben Sujiths passten. Im Laufe der Zeit stellte sich Folgendes heraus:
Ein Mann namens B. Selvin Fernando war in Gorakana als „Sammy Fernando“ oder auch „Gorakana Sammy“ bekannt. Er war am 3.1.1919 geboren worden. Seine Eltern waren Jamis Fernando und W. Lucia Silva. Er besuchte die Schule in Gorakana, die auch als die „verfallene Schule“ bezeichnet wurde. Die Bezeichnung für seinen damaligen Lehrer stimmte, entsprach aber einer heute nicht mehr gebräuchlichen Art. Der Ortsteil von Gorakana war richtig angegeben, wird seit 1973 aber anders bezeichnet. Weiter ->
Der Tempel, in dem Sujith Geld spenden wollte, hieß bis etwa 1910 tatsächlich Kale Pansala und wird seitdem als Dharmarakshitaranow Tempel bezeichnet. Die älteren Einwohner behielten die alte Bezeichnung über dieses Datum hinaus bei.
Nach 6 Jahren Schule arbeitete Sammy bei der staatlichen Eisenbahn von Ceylon, dem heutigen Sri Lanka. Er begann um Maggilin (Maggie) Alwis zu werben, was er so intensiv tat, dass er öfters von seiner Arbeit bei der Eisenbahn fern blieb. Dies führte dazu, dass er mit etwa 25 Jahren entlassen wurde. Er heiratete Maggie dennoch und hatte mit ihr eine Tochter namens Nandanie. Sammy hatte aber auch eine außereheliche Geliebte, die ihm den Sohn Sunil zur Welt brachte. Da er nach seiner Entlassung von der Eisenbahngesellschaft keine Chance auf eine anderweitige Stellung hatte, begann er, seinen Lebensunterhalt zu verdienen, indem er in Maggies Anwesen illegal Schnaps brannte und diesen von seinem Boot aus verkaufte. Er testete seine Ware natürlich auch selbst auf deren Qualität hin. Doch dabei blieb es leider nicht. Sammy genoss das Getränk auch in zunehmendem Maße auf seinen Verkaufsfahrten und wurde allmählich zum Alkoholiker.
Nicht weniger als acht Mal wurde Sammy wegen seiner Schnapsbrennerei von der Polizei eingesperrt, nahm aber seine Destillerie immer wieder erneut in Betrieb. Der Polizei gegenüber blieb er gelassen, anderen aber begegnete er ausfallend, wurde obszön und gewaltsam, wenn er betrunken war. Andererseits gab er den Armen und besonders seiner Lieblingsnichte Kusuma Dabara Geld. Das ging so weit, dass er bei seinem unerwarteten Tod nur noch einen Ring und einen Gürtel besaß.
Sammy liebte Hemden aus synthetischem Stoff, rauchte teure Zigaretten, aß gerne scharf gewürzt und war ein guter Tänzer. Das Kentern seines Bootes ereignete sich 8 Jahre vor Sammys Tod und 5 Jahre davor fiel sein jüngerer Bruder von einem Zug und zog sich eine bleibende Verletzung am Fuß zu.
Als Sammy am 29.1. 1969 gerade 50 Jahre alt war, kam er wieder einmal betrunken nach Hause und begann einen Streit mit seiner Frau. Maggie floh, wie üblich, auf die Straße, und Sammy folgte ihr. Er kam dabei an einer Boutique vorbei und kaufte dort Zigaretten. In seinem Suff trat er unaufmerksam auf die Straße und wurde von einem Lastwagen überfahren. Einige Stunden später starb er im Krankenhaus.
Sujiths Angst vor Lastwagen und vor der Polizei, sein Verlangen nach Alkohol und Zigaretten, die Imitation eines Betrunkenen und seine Spendierfreude erklären sich also zwanglos aus den Lebensumständen von Sammy.
Die Neuigkeit um Sujiths Erinnerungen machte schnell die Runde in Gorakana, so dass viele Menschen Sujith besuchen wollten. Der junge Mönch, der ihn betreute, versuchte dies zu kanalisieren, um prüfen zu können, ob Sujith ihm fremde Personen spontan erkennt. Dies gelang aber nicht ausreichend, so dass nur 5 von 12 Wiedererkennungen von Personen als eindeutig paranormal eingestuft werden können; darunter die Wiedererkennung seiner Mutter aus dem früheren Leben, die er „Luciamma“ nannte, um sie von seiner heutigen Mutter zu unterscheiden, und die Identifizierung von Sunil, Sammys unehelichem Sohn.
Am 20.4.1972 nahm der Mönch Sujith zusammen mit einem Journalisten nach Gorakana mit. Drei Tage später erschien ein Bericht über den Fall in der Zeitung:
Sujith hatte in Gorakana 6 Gegenstände aus Sammys Leben erkannt, darunter den Ring und den Gürtel, welche er noch bis zu seinem Tod besessen hatte. Drei Veränderungen waren ihm aufgefallen, die seit den Tagen von Sammy tatsächlich eingetreten waren: Ein Baum fehlte, eine Straße war verlegt und ein Zaun neu errichtet worden.
Folgende Verhaltensweisen stimmen bei Sammy und Sujith überein:
Verlangen nach Arrak, Zigaretten und speziellen, scharf gewürzten Speisen
Vorliebe für Hemden aus Terrylene und Sarongs, die beide Personen unterhalb des Nabels banden
Aggressivität und Vulgärsprache
Freigebigkeit anderen gegenüber
Freude am Singen
Es gibt weitere Besonderheiten, die hier aus Platzgründen nicht geschildert werden können. Es sei aber noch gesagt, dass Stevenson intensiv nach Verbindungen gesucht hat, durch die Sujiths Wissen auf normalem Wege zu diesem Jungen hätte gelangt sein können. Er fand keine. Allerdings schien Sujith gewisse Fähigkeiten der außersinnlichen Wahrnehmung zu haben.
Quelle (mit Link zu Literaturseiten):Stevenson, Ian (1977) Cases of the Reincarnation Type, Vol. 2, Ten Cases in Sri Lanka, University Press of Virginia, Charlottesville, S. 235, ISBN: 0-8139-0624-5
3. Mit 2 Jahren gestorben - 12 Jahre später zurück in der Familie
Kathy war erst 16 Jahre alt, als sie im März 1978 in Chicago ihren unehelichen Sohn James bekam. Zum Vater des Kindes bestanden keinerlei Beziehungen. Kathy zog in ein eigenes Apartment, gab ihre Absicht auf, die Highschool zu beenden, und widmete sich ihrem Sohn. Er war “gut zu haben” und hübsch mit seinen blond gelockten Haaren.
Kurz nachdem James mit 16 Monaten laufen gelernt hatte, bemerkte Kathy, dass er hinkte. Eines Tages fiel James auf den Boden des Wohnzimmers und konnte nicht mehr selbst aufstehen. Sie hob ihn auf, und es stellte sich heraus, dass er das Bein nicht belasten konnte, ohne starke Schmerzen zu bekommen. Sie musste ihn sofort zum Arzt bringen und dieser diagnostizierte einen Beinbruch und außerdem noch einen Knoten oberhalb seines rechten Ohres. Eine Untersuchung des Knotens und des Knochenmarks ergab, dass James ein metastasierendes Neuroblastom hatte, eine für kleine Kinder oft tödliche Erkrankung. Kathy war am Boden zerstört.
Eine lange Serie von Bestrahlungen und Chemotherapie begann. Kathy weigerte sich, den Tod ihres Sohnes in Betracht zu ziehen und pflegte ihn hingebungsvoll in der Hoffnung auf seine baldige Genesung. Aber James ging es immer schlechter. Er konnte das Essen nicht mehr bei sich behalten und musste intravenös ernährt werden. Dazu hatte er einen Schnitt in die rechte Schlüsselbeinvene gemacht bekommen, in die der Katheder eingesetzt wurde. Davon behielt er später eine geradlinige Narbe am Hals zurück.
Als es James wieder etwas besser ging, nahm ihn die nun 18-jährige Kathy wieder mit nach Hause. Ihr ganzes Leben kreiste nur noch um ihren Sohn und dessen Pflege.
Einige Monate später musste sie ihn erneut in die Klinik bringen, weil er stark aus Tumoren in seinem Mund blutete. Außerdem hatte er inzwischen einen großen Tumor hinter dem linken Auge entwickelt, der zur Erblindung dieses Auges geführt und die linke Seite seines Gesichts sichtbar deformiert hatte. Die Ärzte mussten sich geschlagen geben. Sie konnten nichts mehr für James tun, und so nahm die Mutter ihn wieder mit nach Hause – diesmal in dem Bewusstsein, dass er nun sehr bald sterben würde. Es blieb ihr keine Wahl. Sie musste ihn pflegen und mit ansehen, wie er immer kränker wurde, ohne dass sie ihm wirklich helfen konnte. Der kleine James bemerkte, dass seine Mutter immer wieder aus dem Zimmer ging, weil sie weinen musste. Er sagte, sie solle nicht um ihn weinen, und wurde sogar ärgerlich, als sie sich nicht beruhigte. Er sagte: „Mama, weine nichtmehr ummich!“. Am 10. April 1980 starb James 2-jährig.
Kathys Angehörige waren nach James‘ Tod keine Hilfe in ihrer Trauer, und so verdrängte sie das Geschehene weitgehend und vermittelte auf diese Weise ihren Verwandten den Eindruck, sie sei lieblos.
Einige Zeit später lernte Kathy Don kennen und heiratete ihn. Sie bekamen bald danach eine Tochter Katie. Aber die Ehe hielt nur 4 Jahre und endete mit einer Scheidung. Wieder fand sie sich mit ihren nun etwas mehr als 20 Jahren in der Situation einer allein erziehenden Mutter.
Einige Jahre später traf sie Billy, einen ehemaligen Rodeo-Champion und Marinemann. Sie heirateten bald, und ihr erstes gemeinsames Kind, Josh, wurde 1987 geboren. Diesmal war es eine harmonische Beziehung unter den Eheleuten. Billy kannte die traurige Vergangenheit von Kathy und hatte versprochen, darüber nicht zu sprechen, um sie nicht mehr daran zu erinnern. Er hielt sich an sein Versprechen.
1992 wurde Kathy abermals schwanger, und Ende Dezember wurde ihr Sohn Chad durch Kaiserschnitt entbunden. Als sie gerade aus der Narkose aufgewacht war, brachte eine Gruppe von Weißkitteln das Kind zu ihr, und der Arzt fragte: „Hat Ihr Mann es Ihnen schon gesagt?“. Ihr sank das Herz in die Hose, denn sie erwartete nach ihren bisherigen Erfahrungen die schlimmste denkbare Nachricht. Sie erfuhr nun vom Arzt: „Sie haben einen Sohn. Ich möchte Sieaber warnen, weil sein linkes Auge farblos ist. Das rechte ist normal, aberwir glauben, dass das linke blind ist.“ Gemessen an ihren Befürchtungen war das geradezu eine Erleichterung.
Als ihr das Kind nun in die Arme gelegt wurde, bemerkte sie ein schräges, dunkles Geburtsmal auf der rechten Seite seines Halses, genau an der Stelle, an der James seinen Schnitt für die intravenöse Ernährung gehabt hatte. Das Mal sah weniger wie ein typisches Geburtsmal und mehr wie eine Narbe aus. Sie untersuchte daraufhin ihr Baby am ganzen Körper und fand eine Zyste 2,5 cm hinter seinem rechten Ohr, an der Stelle also, an der die Ärzte bei James eine Gewebsprobe aus dem Knoten hinterm Ohr geschnitten hatten.
Diese 3 Übereinstimmungen von körperlichen Malen, das blinde Auge, die Narbe am Hals und die Zyste hinterm Ohr, ließen bei Kathy die Idee aufkeimen, ihr verstorbener Sohn James könne als Chad zu ihr zurückgekommen sein; Weiter ->
und dies, obwohl sie kein Buch über Reinkarnation gelesen hatte und mit New-Age-Gedanken nicht vertraut war. Was sie bei ihrem kleinen Chad mit eigenen Augen sah, war für sie auch überzeugender als ihr baptistischer Glaube, der eine Wiedergeburt gar nicht vorsieht. Die Vorstellung, dass ihr Sohn James nun in Chad wieder zurück gekommen sein konnte, war ihr eine deutliche Erleichterung.
Als Chad heranwuchs, bemerkte Kathy, dass er beim Laufen das linke Bein „warf“ und das rechte belastete. Er war ruhig und sprach leise, wie seinerzeit James. Kathy verglich Bilder der beiden Kinder im gleichen Alter und fand, dass die linke Seite von Chads Gesicht kürzer als die rechte war, so wie der Tumor James linke Gesichtshälfte verkürzt hatte. Chads Hautfarbe war auch hell, genau wie die von James, während die anderen Kinder von Kathy dunklere Haut hatten. Chad hatte – wie James damals – blondes Haar, obwohl seine leiblichen Eltern und Geschwister dunkelhaarig waren.
Anfang 1997, als Chad 4 Jahre war, fragte er seine Mutter ganz unvermittelt, ob sie sich an ihr „anderes Haus“ erinnern könne. „Welches andere Haus?“, fragte sie zurück. „Das außen orange und braune Haus mit denschokoladenfarbenen Möbeln“, antwortete er. Dann fragte er nach seinen Spielsachen, dem „roten Torkelspielzeug, das klingelt, wenn man es rollt“. Kathy wollte mehr aus Chad herausbringen und antwortete daher nicht direkt, sondern fragte zurück: „Warum willst Du zu dem anderen Haus zurückgehen?Wegen der Spielsachen?“. Chad schaute sie direkt an und sagte: „Weil ich Dichdort verlassen habe.“
Das war die erste spontane Bemerkung, mit der Chad zu erkennen gab, dass er sich mit James identifizierte.
Als James ein Baby war, lebten er und seine Mutter tatsächlich in einem Apartment, das außen orange und braune Backsteinstuckatur hatte, und ihre Möbel waren schokoladenbraun. Und ein “Torkelspielzeug” hatte James auch gehabt. Weder Chad noch seine Geschwister besaßen eines, und weder Kathy noch Billy hatten jemals von solchen Details erzählt. Billy hatte auch James nicht gekannt und das Apartmentgebäude nie gesehen. Es gab auch keine Photos von dem Gebäude, weder von außen noch von innen.
Chad “bequengelte” seine Mutter nicht nur einmal, um zu dem anderen Haus gebracht zu werden. Wenn er sich an das andere Haus erinnerte, sprach er in einem ernsten Ton, ganz anders, als gewöhnlich oder wenn er Phantasiegeschichten erfand. Kathy wich seinen Bitten aus, was Chad einmal so aufbrachte, dass er sagte: „Mama, das bilde ich mir nicht nur ein; das ist eineTatsache. Warum rufst du nicht deinen Vater und fragst ihn, wo ich gelebthabe. Er weiß es!“. Das Verrückte daran war, berichtete Kathy, dass Chad ihren Vater überhaupt noch nicht kannte, der Vater aber nah bei dem Apartment und dem Grab von James lebte.
In derselben Zeit (Chad war 4 Jahre alt), sprachen seine Mutter und er auch über sein blindes Auge. Chad fragte seine Mutter, ob er wieder eine Operation benötige. Die Mutter antwortete: „Nein, du hattest niemals eine Operation.“ Chad sagte darauf: „Doch, ich hatte eine, erinnerst du dich? Es war übermeinem Ohr.“. Kathy fragte nach: „Über welchem Ohr?“ Und Chad deutete auf sein rechtes Ohr. Bei James hatte man, wie gesagt, eine Biopsie des Tumors hinter dem rechten Ohr vorgenommen. Chad konnte aber die Frage, warum er denn operiert wurde, nicht beantworten. Gefragt, ob es weh getan hatte, sagte er: „Nein, ich habegeschlafen.“
Weil Kathy die Tragödie mit James total verdrängt hatte, hatte sie bisher niemals Chad oder anderen aus der Familie ein Bild von James gezeigt. Als sie es schließlich doch einmal tat, um zu sehen, wie Chad darauf reagiert, fiel Chad das Kinn sichtbar herunter, seine Augen wurden groß, und er schnappte nach Luft. „Was ist los?“, fragte Kathy und bekam zur Antwort: „Das Bild wünsche ichmir schon lange. Ich möchte es haben, weil ich darauf bin.“
Ein andermal sagte Chad beim Essen unvermittelt: „Als ich 2 Jahre alt war,wurde ich so krank, dass ich ’7Up’ (Getränk-D. H.) nicht bei mir behaltenkonnte.Dann starb ich und kam zurück. Wenn ich wieder sterbe, komme ichwiederzurück.“. Keiner außer ihnen beiden wusste um die Sache mit dem 7UP.
Dieser Fall beeindruckte Prof. Stevenson und Dr. Jim Tucker, seinen Nachfolger an der Univ. of Virginia, so sehr, dass sie ihn genauer studierten. Sie nahmen Einsicht in die ärztlichen Berichte und reichten mehrere Veröffentlichungen darüber in medizinischen Fachzeitschriften ein.
Quelle (mit Link zu Literaturseiten):
Bowman Carol: „Return from Heaven“, Harper Torch, New York, 2003, S. 22, ISBN: 0-06-103044-9
Beverly war erst 17, als sie in New Jersey, USA, ihren ersten Sohn Brent bekam. Das Kind schrie viel, und die junge Mutter war mit ihrer neuen Aufgabe total überfordert. Wenn er schrie, wusste sie sich nicht anders zu helfen, als das Kinderbett zu schütteln und ihn anzuschreien, er solle still sein. Sie verließ bewusst das Kinderzimmer, um sich selbst davor zu bewahren, ihren Sohn zu schlagen. Ihr Mann war Alkoholiker und schreckte vor sexuellem Missbrauch nicht zurück, wenn er betrunken war. Einmal, als er sturzbetrunken nach Hause kam und das Kleinkind auf dem Boden kriechend vor sich fand, trat er auf das Kind so ein, dass es an die Wand flog. Die Mutter schritt nicht dagegen ein. Ein andermal richtete der Vater eine geladenen Pistole auf den Kopf des Kindes, und Beverly war so durch Angst vor ihrem unberechenbaren Mann gehemmt, dass sie selbst da nicht eingriff. Als Brent etwas älter war, schlug sie ihn, wenn er etwas Unrechtes getan hatte. In der Rückschau gab Beverly später unumwunden zu, dass sie damals keine gute Mutter war.
Als Brent 5 Jahre alt war, bekam Beverly ihren 2. Sohn Scott. Bald danach aber trennte sie sich von ihrem Mann und zog mit den Kindern in eine andere Wohnung. Für die kommenden 15 Jahre sollte sie allein erziehende Mutter bleiben. Der Vater zog sich aus der Affäre und rief höchstens noch mal an Weihnachten an. Brent litt sehr unter der Trennung vom Vater, obwohl er von ihm so schlecht behandelt worden war. Beverly lebte mit Schuldkomplexen. Es belastete sie, dass sie ihren Sohn nicht vor dem Vater beschützt hatte. Durch Familienberatung versuchten sie, ihre psychischen Probleme in den Griff zu bekommen.
Mit 14 setzte sich Brent jedoch durch und zog zu seinem Vater, der in Deutschland lebte. Beverly heiratete nun ihren 2. Ehemann, Bruce. Vier Jahre später, mit 18 Jahren, kam Brent wieder zurück, um bei seiner Mutter und seinem Bruder zu leben. Nachdem Beverly diese 4 Jahre Zeit gehabt hatte, um über ihre Beziehung zu Brent nachzudenken, entschuldigte sie sich jetzt bei Brent des öfteren für ihr gemeines Verhalten ihm gegenüber. Sie sagte, dass sie ihn liebe und damals nur zu jung und noch unreif gewesen sei, als er zu ihr kam.
Brent hatte einen wiederkehrenden Alptraum, in dem er immer heftig um sein Leben kämpfte, aber nicht erkennen konnte, worin die Gefahr bestand oder wer sein Gegner war. Er deutete diesen Traum als Indiz dafür, dass er nicht lange leben werde.
Am 25. August 1992 rief die Polizei spät in der Nacht bei Beverly an und teilte ihr mit, dass Brent einen schweren Autounfall hatte. Er war gegen einen Baum gefahren und mit der Stirn so hart auf das Steuerrad geschleudert worden, dass sein Gehirn zur Hälfte bereits abgestorben war, als er schließlich in die Klinik eingeliefert wurde. Die Ärzte mussten das Kinn hochbinden, um einen Tubus zur Beatmung legen zu können. Er lebte aber noch, als Beverly in die Klinik zu ihm kam. Obwohl er bewusstlos war und die Ärzte sagten, er könne sie nicht hören, sagte sie ihm, dass sie ihn mehr als alles andere in der Welt vermissen würde, wenn er sterbe. Brent drückte darauf ihren Finger und eine Träne trat aus seinem Augenwinkel.
Dieses schwere Schicksal traf Beverly hart. Sie war so geschockt, dass sie 14 Tage nichts essen und Monate nicht weinen konnte.
In den nächsten Jahren, unabhängig davon, wo sie sich befand oder was sie gerade tat, fühlte sich Beverly mindestens ein halbes Dutzend Mal plötzlich und unerwartet von einer Lichtspirale einge-hüllt. Sie spürte dabei die Anwesenheit von Brent und sprach ihn dann sogar an. Zwei Jahre nach Brents Tod bereitete sie gerade Essen in der Küche zu, als sie den Duft des Parfüms „Jovan Musk“ roch. Genau dieses hatte der kleine Brent des Öfteren in einem Spiel mit ihr benutzt. Er parfümier-te sich damit, und sie rannte hinter ihm her und gab vor, dem Geruch zu folgen. Wenn sie ihn dann fing, umarmten sie sich und giggelten (kicherten). Nach Brents Tod hatte sie das Parfüm aus ihrer Familie verbannt, weil sie nicht an die Tragödie erinnert werden wollte. Daher war sie sicher, dass es keine natürliche Ursache für den Geruch geben konnte. Sie interpretierte dies als eine Mitteilung von Brent. Solche Erfahrungen trösteten sie zwar, tilgten aber nicht ihr Gefühl der Schuld, durch ihr Verhalten Brents kurzes Leben in der ersten Zeit so schwer gemacht zu haben.
Im Alter von 39 Jahren, 1994, wurde Beverly noch einmal schwanger. Die Schwangerschaft verlief diesmal genau so problematisch wie bei Brent, obwohl die letzte, mit Scott, ruhig und friedvoll gewesen war. Es war ihr oft schlecht, und sie musste brechen.
Im siebten Monat hatte sie einen ungewöhnlich lebhaften und real anmutenden Traum. Brent erschien in einem offenen Raum, ging auf sie zu und zog dabei einen kleinen Jungen hinter sich her. Brent lächelte, deutete auf den Jungen und sagte: „Mama, das ist für Dich.“ Darauf wachte sie sofort auf. Nach diesem Erlebnis hatte sie jedoch nie mehr das Gefühl, Brent trete in Kontakt mit ihr.
Im Juni 1995 kam Jesse schreiend zur Welt. Als ihr der Kleine das erste Mal gereicht wurde, bemerkte sie sofort ein großes, erdbeerfarbenes Muttermal, das fast die ganze Stirn bedeckte. Sie wunderte sich darüber, weil Jesse durch Kaiserschnitt geholt worden war und dabei eigentlich kein Geburtstrauma entstehen kann. Mehr dachte sie sich dabei zunächst nicht.
Zu Hause schrie Jesse die ganze Zeit, wie es auch Brent getan hatte. Der Arzt diagnostizierte Ohrenschmerzen. Weiter ->
Jesse sah weder seinem Bruder, noch seinem Vater oder ihr selbst ähnlich, glich aber im Gesicht, an den Haaren und am Körper auffällig Brent als Baby.
Als Jesse nach seinem ersten Geburtstag zu sprechen begann, deutete er auf ein Bild von Brent und sagte: „Ich, ich!“. Seine Mutter versuchte ihm zu erklären, dass es ein Bild von Brent, seinem Bruder ist und sie sich sehr ähnlich sehen. Aber Jesse bestand darauf und wiederholte: „Ich!“. Ein Jahr später wiederholte sich dies, als sie bei seiner Oma gemeinsam Fotos anschauten und dabei auf eines von Brent als Baby stießen. Er schrie: „Ich, Mama, ich!“
Als Jesse 18 Monate alt und bei seiner Oma zu Besuch war, beobachtete er, wie sie sich eine Ziga-rette anzündete. Sofort sprang er auf und pustete die Flamme aus. Alle, die das mitbekamen, waren sprachlos. Das war genau dasselbe Verhalten, das Brent – und eben nur Brent – damals gezeigt hatte. Er hasste es, wenn seine Oma rauchte und blies ihr jedes Mal das Streichholz aus, wenn sie sich eine Zigarette anzündete. Jesse tat dies noch etliche Male danach.
Etwa zur gleichen Zeit war Beverly mit Jesse im Nachbargarten und schubste ihn auf der Schaukel dort an. Plötzlich sprang er ab und trottete in den Hinterhof des Nachbarhauses. Seine Mutter folgte ihm und beobachtete, wie er sichtlich nach etwas Ausschau hielt. Er ging weiter durch den Garten, kreuzte den angrenzenden Laubengang und betrat den Vorgarten eines anderen Hauses. Er blieb stehen und starrte das Gebäude an. Es war das Apartmenthaus, in dem Beverly Brent aufgezogen hatte. Sie hatte Jesse bisher noch nie dorthin gebracht. Und aus Sicht eines Kleinkindes war es weit weg von zu Hause. Beverly fragte ihn nun: „Warum stehst Du hier und schaust das Haus an?“. Jesse lächelte, drehte sich um und führte seine Mutter die Straße weiter zu einem wieder anderen Haus und dort ebenfalls zu einer Schaukel. Er kannte sich offensichtlich aus. Es war die Schaukel, auf der Brent zu schaukeln pflegte, als er klein war. Dies war der Moment, als Beverly die Überzeugung gewann, Jesse müsse die Wiedergeburt ihres verstorbenen Sohnes Brent sein. Das empfand sie als Erleichterung, denn sie litt noch immer unter Schuldgefühlen wegen ihres Verhaltens Brent gegenüber.
Sie stellte Vergleiche an, und dabei fiel ihr auf, dass Jesse laufen gelernt hatte, indem er wie sei-nerzeit Brent einen Fußball durch die Gegend kickte. Überhaupt war er immer von Bällen fasziniert, genau wie Brent.
Es gibt ein weit spezifischeres Verhalten, das beide Kinder aufwiesen bzw. aufweisen: Kaum, dass Jesse aufrecht sitzen und auf etwas deuten konnte, zeigte er immer auf Hüte und wollte sie auch haben. Im Alter von 3 Jahren besaß er schon mindestens drei Dutzend davon, in allen Farben und Formen. Egal, wo er hinkam: wenn er einen Hut sah, musste er ihn haben. Er trug sie möglichst die ganze Zeit. Beverly kennt kein anderes Kind mit solch einer Marotte – außer Brent! Der trug damals ebenfalls alle möglichen Hüte, immer und überall, genau wie Jesse heute.
Als Jesse vier Jahren alt war, hörte er zusammen mit seiner Mutter im Radio einen Bericht über einen Drei- oder Vierjährigen, der sein Haus angezündet und sich dabei schwer verbrannt hatte. Beverly nahm Jesse auf den Schoß, um ihm zu erklären, worum es in diesem Bericht ging und wie gefährlich es ist, mit Feuer zu spielen. Jesse nickte dazu und sagte dann: „Ja, Mama, genau wie damals alsunser Badezimmer brannteund ich meinen Bruder retten musste.“ Seine Mutter war völlig verblüfft und fragte: „Was hast Du gesagt?“ Er darauf: „Alsich in meinem anderen Hauslebte.“ Beverly hakte nach: „Wo hast Dugelebt?“ Darauf er: „Da unten, nahdem Haus von Oma.“
Und in der Tat: Als Brent und Scott noch klein waren, lebten sie mit ihrer Mutter für einige Zeit in einem Apartment nah der Wohnung der Großmutter. Eines Tages, als die zwei gerade in der Ba-dewanne saßen, fiel der Strom aus. Brent war 8 und Scott 3 Jahre alt. Beverly sagte damals, sie sollten sich ganz ruhig verhalten, sie werde einige Kerzen holen. Sie brachte die Kerzen und zün-dete sie an. Danach wies sie die Kinder an, in der Wanne zu bleiben, sie wollte die Pyjamas holen und ging raus. Kaum hatte sie das Bad verlassen, stieg Scott dennoch aus der Wanne. Dabei stieß er eine Kerze um. Sie fiel in den Abfalleimer und erzeugte dort eine Stichflamme. Brent schnappte geistesgegenwärtig seinen Bruder Scott und schob ihn aus dem Badezimmer. Das dauerte zwar nur einige Sekunden, aber Brent hatte tatsächlich seinen Bruder gerettet.
Als Jesse in das Alter kam, in dem er viel mit anderen Kindern spielte, schnappte er natürlich auch diese und jene schlechte Gewohnheit auf. So musste ihn seine Mutter einmal darauf hinweisen, dass man niemandem die Zunge rausstreckt. Als er das dennoch wieder machte, rutschte ihr die Hand aus, und sie gab ihm einen Klaps auf die Wange und sagte: „Tu das nicht wieder! Es ist ungehörig!“ Es war das erste Mal, dass sie Jesse körperlich züchtigte, wenn auch nur leicht. Jesse brach in Tränen aus und konnte sich kaum beruhigen. Nach einigen Minuten nahm sie ihn auf den Arm und fragte: „Was ist? Warum bist Du so entsetzt?“ Jesse hörte zu weinen auf, schaute seiner Mutter direkt in die Augen und sagte: „Schlagmich nicht, Mama. Schlagmich nie mehr, wie Du es früher getan hast!“. Das gab seiner Mutter den Rest. Reinkarnation ist für sie nun gelebte Realität.
Quelle (mit Link zu Literaturseiten):
Bowman Carol: „Return from Heaven“, Harper Torch, New York, 2003, S. 219, ISBN: 0-06-103044-9
6. Filmbeispiele: Zu einigen Kinderfällen gibt es filmische Dokumentationen. In der Regel geben sie nicht alles wieder, was in den entsprechenden Büchern oder Artikeln (siehe Literatur) zu finden ist. Aber sie stellen eine wertvolle, “lebendige” Ergänzung dar. Aus lizenzrechtlichen Gründen finden sich hier nur Links zu fremden Internetseiten.