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4. Natürliche Erklärungen
Die unerklärlichen Elemente eines Nah-Todeserlebnisses (NTE) als paranormal zu akzeptieren, hieße, unser Weltbild als unvollständig zu betrachten. Vor allem Wissenschaftler können mit “Übersinnlichem” “nicht leben” und versuchen daher mit allen Mitteln, eine natürliche Erklärung zu propagieren. Daher werden hier im Telegrammstil die wichtigsten Einwände bzw. Erklärungsangebote gelistet und bewertet:
Physiologische (körperlich-materielle) Erklärungen:
Elektrische Stimulation des Gehirns: Bei Epilepsie können manchmal Déjà-vu-Erlebnisse, das Gefühl, den Körper verlassen zu haben oder Halluzinationen auftreten. In diesen seltenen Fällen findet man aber nur Teilaspekte, nicht das volle Spektrum einer NTE - auch nicht verteilt auf viele Epilepsiefälle.
Da Epilepsie auf krankhafte elektrische Entladungen im Gehirn zurückgeht, kann man vermuten, dass künstliche elektrische Stimulation des Gehirns vergleichbare Wirkung zeigt. Dies wurde auch mit Elektroden im Gehirn und mit elektromagnetischer Stimulation von außen untersucht. Auch hier wurde nur Ansatzweise das erzeugt, was man als NTE bezeichnet - nie voll ausgeprägte Elemente einer NTE. Selbst wenn man so ein NTE auslösen könnte, erklärte dies nicht, wie realitätsbezogene außerkörperliche Erfahrungen (AKEs), ein Lebensfilm oder Begegnungen ausschließlich mit Verstorbenen zustande kommen können.
Sauerstoffmangel im Gehirn: Er führt zu Verwirrung und Gedächtnisstörungen, nicht zu nachprüfbar richtigen, wundersamen Erinnerungen. NTEs kommen auch in Situationen ohne Sauerstoffmangel vor (Verkehrsunfall, Depression). Sauerstoffmangel kann nicht die besondere Klarheit des Denkens, der Wahrnehmung, das Gefühl extremer Realität, hoher Wachheit, von Bewusstsein und der guten, lang anhaltenden Erinnerung erklären, von welchen die Patienten berichten.
Endorphin (körpereigenes Morphin, das bei Stress ausgeschüttet wird): Es kann Halluzinationen auslösen, Schmerzen stillen und Glücksgefühle hervorrufen. Die Wirkung hält Stunden an, während ein NTE meist nur einige Minuten andauert. Halluzinationen sind wirklichkeitsfremd und führen nicht zu erstaunlichen sensorischen Leistungen. Die Phänomene, die sich mit Sauerstoffmangel verbinden, stimmen nicht mit allen Aspekten der NTEs zusammen: Nicht mit außerkörperlichen Erfahrungen (AKEs), nicht mit der Begegnung mit Verstorbenen, nicht mit der Lebensrückschau und nicht mit den nachhaltigen Auswirkungen einer NTE.
Kohlendioxid-Überschuss: Er kann ein AKE- und Glücksgefühl auslösen und selten einmal das Bild von Licht am Ende eines Tunnels bewirken. Andere Elemente einer NTE kommen aber nicht vor: Die Lebensrückschau, die Begegnung mit Verstorbenen, die starke Veränderung der Lebenseinstellung nach einem NTE.
Hörfähigkeit während der Bewusstlosigkeit und Ausschmücken des Gehörten: Keine Studie konnte bisher nachweisen, dass dies überhaupt möglich ist. Siehe auch bei “Nachprüfungen”.
Psychodelika (Rauschmittel): Von den bewusstseinserweiternden Drogen kommt dem Dimethyltryptamin (DMT) eine besondere Bedeutung zu. Es wird auch vom Körper produziert, kommt im Gehirn vor, ist dort sehr kurzlebig und wird besonders in Stresssituationen ausgeschüttet. Es kann alle NTE-typischen Symptome auslösen. Man kann daher vermuten, dass DMT bei NTEs eine Rolle spielt, indem es die natürliche Blockade aufhebt, die NTE-Erlebnisse normalerweise verhindert. Damit wäre aber nur der “Startknopf” gefunden, keine Erklärung für unerklärliche Vorgänge, wie in den realitätsbezogenen AKEs, für Begegnungen ausschließlich mit Verstorbenen, für das Ablaufen eines Lebensfilms oder die Sichtungen auch von Geburt an blinder Menschen.
Psychologische Erklärungen:
Todesangst erzeugt Strategien zur Schmerzvermeidung und bewirkt Wunschvorstellungen: Die Flucht vor der beängstigenden Realität eines Traumas wird als Dissoziation bezeichnet, wenn die normalerweise integrierten Funktionen von Identität, Gedächtnis und Bewusstsein auseinander brechen. Bei der großen Mehrzahl der Patienten mit einer NTE liegt aber keine Neigung zur Dissoziation vor. Für Fälle von NTE ohne einen lebensbedrohlichen Zustand kann diese Erklärung nicht angewendet werden. Die Schutzmechanismen und Wunschvorstellungen können auch nicht erklären, wie die Realität unter Narkose oder im Koma bei einem AKE wahrgenommen werden kann. Zudem widerspricht das NTE oft den Glaubensüberzeugungen der Patienten und viele Patienten hatten auch kein Wissen über NTEs und deren Elemente.
Weitere Erklärungsangebote: Betrug, Geburtserinnerung, Halluzination und Träume werden noch als Erklärungen angeführt, sind aber nicht sehr einleuchtend und ebenfalls unschwer widerlegbar. Daher wird nicht weiter darauf eingegangen. zum Seitenanfang (Top)
Quelle (mit Links zu Literaturseiten): Lommel, Pim van (2009) Endloses Bewusstsein/ Neue medizinische Fakten zur Nahtoderfahrung, Patmos, Düsseldorf, S. 119ff, ISBN: 978-3-491-36022-8 Kelly, Edward F./ Kelly Emily Williams/ Grabtree, Adam/ Gauld, Alan/ Grosso, Michael/ Greyson, Bruce (2007) Irreducible Mind/ Toward a Psychology for the 21st Century, Rowman & Littlefield Pub., Lanham, Maryland, USA, S. 374ff, ISBN: 0-7425-4792-2
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